Imago-Beziehungstherapie

 

Die Imago-Beziehungstherapie wurde 1984 von Harville und Helen Hendrix gegründet. Sie entwickelten aus verschieden therapeutischen Ansätzen (z.B. psychoanalytischer Theorie, Verhaltenstherapie, Gesprächspsychotherapie, systemischer Therapie, Gestalttherapie) die Imago-Beziehungstherapie.

 

Die Grundidee lautet: man wird in Beziehungen hineingeboren, man wird in Beziehungen verletzt, man wird in Beziehungen geheilt.

 

Kindheitsentwicklung und Auswirkung auf den Erwachsenen

Wir haben alle aus unserer Kindheit mehr oder weniger tiefe „Schrammen“ davongetragen denn auch die besten Eltern sind nicht perfekt, haben Entwicklungsdefizite, eigene Probleme oder können unsere Bedürfnisse manchmal nicht erkennen.

So müssen wir von Anfang an lernen, mit unserem Schmerz und unseren Frustrationen fertig zu werden: wir entwickeln Überlebensstrategien.

Diese Überlebensstrategien hängen von unserem Temperament ab oder auch von den Reaktionen unserer Bezugspersonen auf unsere Bedürfnisse.

Außerdem hat jede Lebensphase ihren Schwerpunkt, ihr Ziel und ihre Aufgabe:

BINDUNGSSPHASE (0-18 MON.)

Angenommen, das Baby möchte etwas – z.B. Zuwendung, es ist ihm heiß, kalt, es hat Hunger, will gewickelt werden etc. und versucht dies durch Schreien durchzusetzen. Wie lange das Baby schreit, wie laut und wie intensiv, wird einerseits vom Charakter des Babys abhängen und andererseits von der Reaktion der Bezugspersonen.

Ein Baby, das erfahren hat, „Schreien macht keinen Sinn – da kommt niemand“, wird meist irgendwann beginnen, sich in sich zurückzuziehen und wird als Überlebensstrategie langsam seine Bedürfnisse überhaupt verleugnen.

Wenn das Baby seine Bezugspersonen als unverlässlich und unbeständig erlebt hat, hat es vielleicht die Erfahrung gemacht, dass es nur dann bekommt, was es braucht, wenn es laut genug schreit.

Mögliche Auswirkungen auf das Verhalten im Erwachsenenalter: Wenn das Kind erwachsen ist, zeigt es sich als „Vermeider“, der den Kontakt zu seinen Bedürfnissen verloren hat und der Verbindung, besonders zum Partner/zur Partnerin als bedrohlich, weil schmerzverursachend erlebt. Er verhält sich in Beziehungen eher distanziert.
Als „Klammerer“ sind Erwachsene süchtig nach Aufmerksamkeit. Sie übertreiben, um zu bekommen was sie wollen, und wenn sie bekommen, was sie wollen, stoßen sie es auch immer wieder zurück. Die Kernklage lautet: „Du bist nie für mich da“.

ERFORSCHUNGSSPHASE (18 MON.-3 JAHRE)

Nach dem Bedürfnis nach Bindung gibt es das Bedürfnis des Kindes, die Umwelt zu erforschen. Dazu braucht es die Freiheit, sich wegbewegen zu dürfen und die Sicherheit, dass jemand da und alles in Ordnung und beim Alten ist, wenn es zurückkommt.

Zu ängstliches, beschränkendes, kontrollierendes Verhalten der Bezugspersonen erstickt das Kind. Es wird sich äußerlich vielleicht anpassen, innerlich aber distanzieren und Dinge heimlich tun. Nähe wird mit Beschränkung assoziiert. Oberflächlich erscheinen das distanzierte Kind in der Erforschungsphase und das unabhängige Kind in der Bindungsphase ähnlich. Das distanzierte Kind fürchtet sich nicht vor dem Kontakt an sich und der möglichen Ablehnung, sondern davor, wenn die Nähe zu groß ist, den Freiraum zu verlieren, die Welt zu entdecken.

Es kann aber auch sein, dass das Kind ermutigt wird fortzugehen, u.U. bevor es dazu bereit ist, um z.B. selber Ruhe zu haben und wenn das Kind zurückkommt, ist die Bezugsperson physisch oder emotional abwesend oder sogar ärgerlich über die Rückkehr. Das Resultat ist ein ängstliches, abhängiges Kind, das Angst hat, verlassen zu werden.

Auswirkungen auf das Verhalten im Erwachsenenalter: Der Erwachsene fühlt sich leicht bedroht und eingeengt, wenn Erwartungen an seine psychische, physische oder emotionale Anwesenheit gestellt werden. Solange er die Freiheit hat, zu kommen und zu gehen wann er will, geht es ihm gut – er wird zum „Flüchter“.

Der „Verfolger“ dagegen, hat Angst vor Distanz, ist eifersüchtig, versucht dem Partner zu gefallen (auch wenn er sich selbst dabei aufgibt) und ist manchmal auch bemüht, mit Druck Kontakt herzustellen. Ähnlich wie der Klammerer hat er Angst, verlassen zu werden.

KOMPETENZPHASE (4-7Jahre)

In der Kompetenzphase geht es einerseits um Rivalität und andererseits um die Fähigkeit, sich in der Welt zurechtzufinden und das Ausmaß und die Grenzen der Macht zu erfahren.

Manche Eltern beginnen in dieser Phase mit dem Kind zu rivalisieren und Kompetenzen abzulehnen.

Auswirkungen auf das Verhalten im Erwachsenenalter: Eine häufige Reaktion ist, dass der Erwachsene zu einem Rivalen wird, der zwanghaft nach Anerkennung strebt, oft sehr erfolgreich ist, sich aber dennoch leer fühlt.

Wird das Kind in dieser Phase ständig kritisiert und abgewertet, wird es vermeiden, offen in Konkurrenz zu treten. Erwachsene zeigen oft ein passiv-aggressives, manipulatives Verhalten und haben Angst, wenn sie offen Kompetenz und Macht zeigen, Zustimmung zu verlieren.

Von 7-13 Jahren geht es besonders darum, außerfamiliäre Freundschaften aufzubauen. Das Kind sucht Zugehörigkeit und Beziehungen zu Gleichaltrigen.

Von 13-19 sollte das Kind beginnen, sich von der Familie abzulösen und intime Beziehungen aufzubauen.

In diesen beiden Stadien wird es ähnliche Probleme geben wie in der Phase von 1-7 Jahren, denn es geht wieder um Bindung, Unterscheidung, Identität und Kompetenz.

Diese Probleme können sich einerseits vertiefen und stabilisieren, andererseits ist es auch möglich, dass neue Erfahrungen gemacht und damit alte Probleme gelöst oder aufgeweicht werden. Für die Paarbeziehung ist besonders die Zeit von 0-7 von Bedeutung, wahrscheinlich weil wir in dieser Zeit besonders abhängig und empfänglich sind.

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BeziehungsWeise

Psychotherapeutische Praxis
Friedenszeile 50, 1130 Wien
Telefon: 0664 – 311 62 78
 

Maria König-Eichhorn

Psychotherapeutin/ Systemische Psychotherapie
Imago-Therapeutin/Mediatorin